Der Realist

"Ich will sie sehn so wie sie ist"
Sagte mal der Realist
Doch auf der Suche nach Physik
Warf ihn jeder Sinn zurück
Nur eine Interpretation
Wer auf Erden will das schon

Wie sehr er es hasst immer Farben zu sehn
Und dabei doch ständig das Licht nicht verstehn
Wie er es verachtet nur Tönen zu lauschen
Und nie in sich tragen das Schallwellenrauschen

"Ich suche nur nach der Natur"
Sagte mal der Realist
"Bin nur der Wahrheit auf der Spur
Was so mancher schnell vergisst"

Doch da beschloss er kurzer Hand
Sein Menschenschicksal zu umgehn
Er hatte einen Plan erkannt
Um erstmals wirklich zu verstehn

Er griff nach einem scharfen Messer
Schnitt sich beide Ohren ab
Der angespornte Selbstaufesser
Würgte sie den Hals herab
Er wollte niemals mehr betrachten
Stach sich beide Augen aus
Er warf sie sich in seinen Rachen
Und verdaut den Augenschmaus
Dann schnitt er sich in seine Nase
Erst die Flügel dann das Bein
Zu dieser fortgeschrittnen Phase
Konnt ihm nicht mehr übel sein
Mit jedem Sinn von Druck und Wärme
Quälte ihn die eigne Haut
Die Hypo- wie die Epidermis
Zwischen Zähnen zäh zerkaut
Zum Ende ist es seine Zunge
Welche weich das Messer leckt
Ein Haps im Satz im Freudensprunge
Diese hat er nicht geschmeckt

Der Realist war schnell verschwunden
Fraß sein Fleisch fraß seine Wunden
Das Wesen seiner Welt nun klar
Ganz offen lag es für ihn da

In dieser Leere
Ohne Schwere
Dachte er nur
"So ist die Natur"

Back